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Presse
Titel: Fanta-Kallche und das Schlafkampfschaf

Kerweborsch: Einige sind schon seit Jahren dabei

Lines und Gruppenpups, oder Grappapapa, Holzwurm und Waldschrat sind keine neue Musterkollektion von Pokemons oder etwa die 2000-Ausgabe der Muppet-Stars. Nein, hinter diesen Namen verbergen sich tatsächlich unsere Kerweborsch.

Des "Fanta-Kallche" alias Marcus Schulmeyer (24) hat es mit seinem Spitznamen noch ganz gut getroffen. Schließlich ist Fanta auch für einen Studenten nichts verwerfliches.

Berthold Abel trifft es da schon härter, er geht als das "Saufende Schlafkampfschaf" in die Annalen der Kerweborschgemeinschaft ein.

Ob er zu lange mit Papas Lämmern geblökt hat? Mit den Hühnern gackert, kein Flax, noch immer Thorsten Neubauer (25). Der eingefleischte Hühnerzüchter (von Kindesbeinen an) kann vom Federvieh einfach nicht lassen. Einzige Ausnahme: An Kerb ist alles andere vergessen. Das liebe Vieh, der Job als Forstwirt und die Frankfurt Lions. Schließlich ist es die letzte Saison als Kerweborsch, die wird noch mal in vollen Zügen genossen, "weche de Tradition und de Kameradschaft".

Stuart Jobson, 21 Jahre jung, und auch auf den Namen "Gazza" hörend, hat weniger hehre ideologische Ansätze. Mit im Kerweboot sitzt er wegen einer verlorenen Wette. Als Neuling im Trupp hat er sich jedoch vorbildlich integriert. Ob da das Studium der Sonderschulpädagogik eine Stütze war? Nein, Spaß beiseite, die Borsch sind ernster zu nehmen, als sie es selbst gerne zugeben.

So fühlt sich Kerwevadder Thorsten Höflein dem Volksbrauch verpflichtet ("Als Nachkomme der Familie Dickhaut!"). Und dass besagtes Fanta-Kallche dabei ist, ist Ehrensache: "Als alteingesessener Mörfelder und als Schulmeyer muss man zwangsläufig einmal Kerweborsch sein".

Ebenso Stefan Ernst (17), der die schöne Kerwetradition aufrecht erhalten will. Stefan, im Alltag noch die Schulbank drückend, ist der zweite Newcomer in der Runde.

"Lumbi", alias Sascha Ries, macht das Trio der Kerwegreenhörner komplett. Mit 16 Jahren ist der Schüler außerdem der jüngste an Bord. Warum er Kerweborsch wurde? "Weil ich mit den anderen Kerweborsch super auskomme", erklärt der passionierte Sportler: "Uf was wart mer sonst e ganz Jahr?"

Keine Frage, auch Christoph Buchert (ebenfalls 16, doch ein paar Tage älter) hat dem Ereignis monatelang entgegengefiebert. Nicht nur der Tradition wegen, oder weil "Kerb halt weh tut", nein, Jungs haltet eure Damen fest, um Mädels aufzureißen. Christoph, Casanova in der Runde (bislang jedoch mit bescheidenen Erfolgsquoten), hat eine zweite Leidenschaft entwickelt: Er reitet sein Mountainbike auch ohne Sattel (nachdem er das edle Stück bei der Kerb 1999 irgendwo vergessen hat). Buchert, des "Sattelkallche", ist einfach immer für ein paar Lacher gut, hat sich aber auch als Schreiber fürs Freitagsblättche ganz ordentlich gemausert.

Je älter, desto höher der Bildungsgrad, gilt auch für die verschworene Kerwegemeinschaft. Als Ausgleich zum Studium widmet sich Kai Robert Koch (23) alias "Kentucky" gerne den Kerwebräuchen. "Carpe noctem", nach diesem Motto wird gefeiert, die strohtrockene Lektüre im Studium des Wirtschaftsingenieurswesens ist erst nach dem letzten Kerwetag wieder angesagt.

Wo Michael Wenzel auftaucht, ist der Wurm drin. Beruflich, versteht sich, denn der 22-Jährige ist Schreiner und Fenstermonteur. Als echter Kerwegruftie (zum vierten Mal dabei) in der Runde bekennt er: "Kerb ist alles".

"Weils schee macht", mischt Norman Krieg zum zweiten Mal beim Traditionsfest mit. Böse Zungen behaupten allerdings, dass ausgiebiges Feiern durchaus Spuren hinterlässt und nach einer zehnjährigen Karriere als Borsch ein Face-Lifting Not tut.

Arne Schmitt schwingt das Banner aller Unverkrampften. Bitte wie? "Ich finde, dass sich jeder in der Gemeinde für ein bisschen Spaß und Lockerheit einsetzen soll". So erklärt sich, dass Arne (22) nach vierjähriger Mitgliedschaft beim Kerweborschverein endlich selbst die Batschkapp aufgesetzt, die Scherpe umgelegt hat. Im Berufsleben hat er auch unverkrampft umgesattelt und drückt nach der Ausbildung zum Elektriker noch mal die Schulbank.

Auch Markus Alp hat im Job schwarz gesehen. Er sagte dem Beruf als Schornsteinfeger ade, um an der Uni Umwelttechnik zu studieren. Trotz Umweltdenken ist er ein Einwegmodell. "Als Tribut zu meinem Kerwevadder Thorsten bin ich Kerweborsch", sagt der 20-Jährige, "aber nur dies eine Mal". Wenn das keine Freundschaft ist.

Thorsten Krieg (21) ist nach zweijähriger schöpferischer Pause wieder mit von der Partie. Passt eben ganz gut zum persönlichen Motto ("Mach den Tag zur Nacht!"). Ob das seine Prüfer ebenfalls so sehen? Auch er muss nach Kerb seine Prüfung zum Bankkaufmann ablegen.

Kerwekumpel Berthold Abel (24) hat es längst geschafft und die Prüfung zum Industriemechaniker in der Tasche. Seinen tierischen Spitznamen hat er trotzdem weg. Und wem das saufende Schlafkampfschaf nicht passt, der nennt ihn liebevoll "Bärbel".

Begehrter Shooting-Star unter den Borsch ist Falk Fleischer. Kaum taucht eine Kamera auf, taucht Falk ab. Flink wie ein Wiesel scheint er zu verschwinden, sobald ein Kameraobjektiv scharf gestellt wird. (So bleibt er hier leider unterrepräsentiert.) Auch privat schiebt er keine ruhige Kugel. Im Gegenteil: Als Sportkegler ist der Bundesgrenzschutzbeamte voll auf Zack.

Marmor Stein und Eisen bricht... doch seine Liebe zur Merfeller Kerb nicht: Alexander Mager stimmt sage und schreibe seit elf Jahren die guten alten Lieder an, ist mal als Vadder, mal als Beivadder oder als gemeiner Borsch dabei. Wo immer er auch ist, hört er es klingen: "Wem ist die Kerb? Unser!"


Auszug aus der Merfeller Kerwezeitung 2000




Verfasst am: 01.10.2000
Kerweborsch aktuell:
Letzte Änderung:
04.09.2010
 
Nächste Kerb:
15. bis 19. Oktober 2010
 
Kerwevadder 2010
Christoph Geiss