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Presse
Titel: Bericht Gerauer Echo

Wettergott ist mit den Mörfeldern
Kerb: Bei schönstem Sonnenschein führt der Umzug durch die Innenstadt, ehe der Baum gestellt und die Rede verlesen wird
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MÖRFELDEN. Ob der Wettergott vielleicht doch ein Kerweborsch ist? Zumindest sah es am Wochenende ganz danach aus. Bei strahlendem Sonnenschein zogen am Samstagnachmittag die Mörfelder Kerweborsch durch die Gassen, angeführt von ihrem Kerwevadder Christian Wolf, der stilecht auf einem VW-Käfer thronte und Handküsschen in die Menge verteilte. Viele hunderte Menschen hatten geduldig an den Straßen auf den Kerweumzug gewartet, an dem sich nicht nur die Kerweborsch – die trotz großer Kerwe-Eröffnungsparty am Freitagabend noch adrett und frisch unterwegs waren –, sondern auch zahlreiche Vereine beteiligt hatten.

Unter anderem waren Blasorchester und Kinderchor der SKV Mörfelden, die SKV-Mini-Fußballer, „Delirium“, die Sandhasen, die „Kleinen Strolche“, die SKV-Radsportabteilung oder auch die Mörfelder Feuerwehr dabei und sorgten für Feststagsstimmung in den Gassen. Am Ende des munteren Umzugs wurde traditionell der Kerwebaum durch die Stadt gezogen. Diesen galt es nebst Kerwe-Bopp unter den Augen der wartenden Menge auf dem Rummelplatz am Dalles ordnungsgemäß aufzustellen. Kein Problem für die Kerweborsch, die den Baum in die Höhe wuchteten.

Premiere beim Fassbieranstich feierte anschließend Erster Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn, der den im Urlaub weilenden Bürgermeister vertrat. Dann hieß es: Her mit der Leiter und hoch mit dem Kerwevadder! Flankiert von seinen Borsch verlas Kerwevadder Christian Wolf seine selbst verfasste Rede, in der er genüsslich die Geschehnisse vor Ort auf die Schippe nahm: „Ihr hab’s geseje, jetzt wird net gelacht, die Stadt hat sich beim Gärtnerweg ja richtich was gedacht. Der Weg eine einzige Furch, jetzt kimmt da aach kein Brummi mehr durch. Die Leid kenne nachts mit Ruh wirrer schloofe, ohne des ständisch Lkw dorch die Ecke kurve“.

Und weiter: „Un wirrer hat sich die Fraport bis uff die Knoche blamiert. Weil jetzt wird die Startbahn West saniert. 4,5 Millione lasse sich die des wirrer koste, nur weil de Beddon anfängt zu roste. Liebe Fraport, macht se fort, lasst Wald driwwer wachse, die Natur die kranke, werds eich lange, lange danke. Was müsse mer uns noch von dene biete lasse, die hawwe doch schon randvolle Ausbaukasse“.

Auch Geschehnisse am Mörfelder Bahnhof ließ der Kerwevadder nicht unkommentiert: „Am Mörfelder Bahnhof, was soll ich do saache, war freitachs en Krach, unn Flasche woarn zerhaache, was ham Anwohner sich do beschwert, unn jetzt hat mer unns fer freitachs die City-Streife beschert. Die mache sich do net verrickt, wer steert, wird fortgeschickt. Ihr Kinner, lasst die Leid nachts doch schloofe, ihr kennt ja oach wo anners hie laafe“. Schließlich gab es auch noch den obligatorischen Seitenhieb in Richtung Norden: „Ein wichtiges Thema aach in diesem Joahr, sinn die Haarebacher, iss doch kloar. Ausgericht hamm se e Bierfest, da hat mer wirrer gemerkt, die Haare sinn net schüttfest, geschmückt wie an deene ihrer Kerb, war alles bayrisch in blau-weiß. Leut, mer soin doch in Hesse wie jeder weiß, die Bloosmusik kennt er aach fortlosse, vielleicht habt dann aach ihr emol volle Kasse. ... Ihr Walldorfer gebt foi acht, mer hams eich doch oft genuch vorgemacht. Feiert rot-weiß nach alter Tradition, dann steigt bei eich aach die Schüttkondition.“

Feiern bis zum Abwinken hieß es anschließend nicht nur für die Kerweborsch. Wer sich auf dem Rummelplatz mit seinen bunten Fahrgeschäften tüchtig ausgetobt hatte, konnte am Abend ins Bürgerhaus einziehen. Dort gab es im vollen Saal Rockmusik und Groove vom Feinsten von gleich zwei Coverbands. Die Musiker von „Different Faces“ machten dort den Auftakt, bevor sie die Bühne freigaben für „Groove Agents“, die Gewinner von „Hessen rockt“.

Naturgemäß etwas lädiert traten die Kerweborsch am Sonntagvormittag zum Gottesdienst an, bevor sie ihr übriges Kerweprogramm absolvierten, das unter anderem aus diversen Kneipentouren bestand. Rummelplatz und verkaufsoffener Sonntag lockten abermals Hunderte von Menschen in die Innenstadt, die dort einen sonnigen Herbstnachmittag verbrachten. Offiziell beendet wird die Kerb am Dienstag mit dem Verbrennen der Bopp.
Anette Keim
20.10.2008


Verfasst am: 20.10.2008
Kerweborsch aktuell:
Letzte Änderung:
04.09.2010
 
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15. bis 19. Oktober 2010
 
Kerwevadder 2010
Christoph Geiss