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Presse
Titel: Gerauer Echo 19.10.2009

Charmante Borsch verteilen Blumen


Mörfelder Kerb: Zahlreiche Menschen hören die Rede des Kerwevadders und beobachten vom Straßenrand aus den Umzug

MÖRFELDEN. „Wann die Berne worn geernt, die Quetsche soin entkernt, im Herbst bei Äppelwoi und Sauerkraut, so mancher sich die Hoos versaut. Unn wann’s dann uff St. Gallus geht, die Merfeller Kerb vor der Dür steht. Unn so frag ich Eich, was iss dann heit, wann de Vadder uff die Lader steit? Ei Kerb iss heit, Ihr liewe Leit!“

Marcel Ambrosch ließ am Samstag keinen Zweifel daran, welches Fest im Herzen Mörfeldens mitten auf dem Dalles gefeiert wurde. Der 24 Jahre junge Kerwevadder verlas – souverän auf der Leiter thronend – seine Rede vor der wartenden Menge, nachdem seine Borsch den Kerwebaum nebst Kranz und Bopp routiniert nach oben gehievt und gesichert hatten.

Als dann das althergebrachte Kerwelied gesungen war und Bürgermeister Heinz-Peter Becker das Fass angestochen hatte, ging es richtig los mit der „Redd“ – natürlich nicht ohne die üblichen Seitenhiebe in Richtung nördlicher Stadtteil. „Zu de ebsch Kerb do hinnerm Feld, da gibt’s noch was, was mer net so gefällt. Denn die Harebacher Borsch, ich muss es vermelle, die kenne noch net emol ihrn Kerwebaam stelle. Die ham des Beemsche net hoch bekomme, so musste de Berjermoaster noch helfe komme. Die Kerle, die sinn so was von schlapp, erst beim vierte Versuch hat des geklappt.“

Und auch das Thema Kreisel wird in keiner Rede mehr ausgespart: „Unser Merfelle iss nun im ganze Land als die Kreiselstadt bekannt. Iss oan Kreisel fertisch und halbwegs gelunge, dann werd glei de nächste in Angriff genumme. Des passte niemand so recht in de Kram, konnste die Westend und die Gerer nur in oi Richtung fahrn. Ihr Leit ich hab de Becker durchschaut, ich hab en durchblickt, die ganz Sach iss ja forschtbar verrickt. Denn fer jeden Kreisel krieje mehr aus Wiesbade Kohle, so wird in de Rüsselsheimer noch schnell de Nächste hochgezoge, unn an de Gesamtschul ham unser Bosse noch ganz schnell neije Kreisel beschlosse. Mir iss es klar, ich habs kapiert, unsern Haushalt wird mit Kreisel saniert“, verkündete der Kerwevadder grinsend.

Bevor aber der Baum aufgestellt und die Kerweredd gehalten werde konnte, startete am Samstag um punkt 14 Uhr der große Kerweumzug durch die Mörfelder Straßen. Angeführt von den Borsch und der in diesem Jahr echt schweinemäßigen Bopp, bewegte sich der Tross langsam aber zielsicher in Richtung Dalles – unterwegs bejubelt von der wartenden Menge am Straßenrand. Mit dabei beim Umzug waren traditionell einige Mörfelder Vereine, etwa das Blasorchester der SKV , der Fußballnachwuchs der SKV und der Kickers, die Handballer der HSG, die Sandhasen, die Feuerwehr und einige mehr.

Charmant verteilten die Borsch Blumen und Küsschen an die Damen und unterhielten das Volk in den Gassen mit munteren Liedern. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass der Wettergott wohl doch ein Kerweborsch sein muss. Zwar tröpfelten zu Beginn des Umzugs noch einige Regentropfen auf die Erde, doch pünktlich zum Baumstellen strahlte die Sonne auf den großen Festplatz. Da machte auch eine Runde auf dem Karussell oder ein Gang an den Buden und Süßigkeitenständen entlang so richtig Spaß.

Sehr zur Freude vieler Mörfelder stand in diesem Jahr ein lieb gewonnenes Relikt früherer Kerwetage wieder in der Hofreite des Goldenen Apfels: Die „Hayner Reitschul“. Hier drehten viele Kerwegänger eine Runde auf einem der schönen Pferde, im Schaukelschiff oder auch ganz wagemutig im „Kotzkessel“ und schwelgten in Erinnerungen an alte Zeiten. Dazu gab es gleich daneben Kaffee und Kuchen nach Großmutters Art im beliebten „Kerwe-Café“.

Offiziell eröffnet worden war die „Merfeller Kerb“ schon am Freitagabend, als um 24 Uhr die Kerweborsch im Mörfelder Bürgerhaus einmarschierten. Während der Kerweparty hatten die Borsch eine Schau auf die Beine gestellt, die Kerwemoden und Geschichten aus vergangenen Jahren aufleben lies.

"Rock on Kerb“ hieß es dann am Samstagabend mit den Bands „Talk about“ und der „Incredible Dexter Band“ bis tief in die Nacht hinein. Umso härter war für die Borsch am Sonntagmorgen der traditionelle Kirchgang, bevor am Nachmittag wieder Kerwetreiben auf dem Dalles angesagt war.

Zum Frühschoppen brachen die tapferen Borsch Montagfrüh auf und wagten den Streifzug durch Mörfeldens Kneipenlandschaft. Morgen, Dienstag, wird die Kerb mit dem Verbrennen der Bopp, so wie es sich gehört, beendet.
ake
19.10.2009[/b]


Verfasst am: 19.10.2009
Kerweborsch aktuell:
Letzte Änderung:
04.09.2010
 
Nächste Kerb:
15. bis 19. Oktober 2010
 
Kerwevadder 2010
Christoph Geiss